Nana Kintz: wand’rin’ star – Die Wandmalerei von Christian F. Kintz, 2011

In seinen ab 2008 entstandenen Wandarbeiten lässt Christian F. Kintz erstmals explizit äußere Einflüsse in seiner Arbeit zu. Bei seiner intensiven Beschäftigung mit Farbe waren inhaltliche Bezüge zur Umwelt oder zum Zeitgeschehen immer bewusst ausgeschlossen, da der Fokus auf Form und Material lag. Mit wand’rin’ star verknüpft er nun diese Auffassung von Malerei mit dem Einfluss des Sonnenlichts und dessen Bewegung.

In den rein ortsspezifischen Projekten wird der Tageslauf der Sonne in einem kurzen Zeitabschnitt bildlich festgehalten. Der Titel verweist auf die heute noch verbreitete irrige Annahme, dass der Stern sich um die Erde dreht und nicht umgekehrt. Die in den Raum einfallenden und von architektonischen Gegebenheiten modellierten Lichtfelder werden zu einem bestimmten Zeitpunkt festgehalten und bilden den Ausgangspunkt für die in der Folge entstehenden Farbflächen.

Christian F. Kintz füllt die Lichtfelder mit Farbe und verfolgt damit einen zum traditionellen Schattenriss umgekehrten Prozess. Nicht der Schatten eines Körpers wird nachgezeichnet, sondern die Silhouette des Lichts. Indem pro Feld eine Farbe gewählt wird, entsteht ein künstlerisch abgewandeltes Destillat der im Lichtspektrum enthaltenen Farben.

Sowohl im Entstehungsprozess der Arbeit als auch danach wird die Geschwindigkeit bewusst gemacht, mit der sich der Sonnenstrahl bewegt, bzw. die Erde sich unter ihm dreht. Von einem Moment zum anderen ist das Licht schon weitergewandert und verändert das auf Wänden, Böden, Decken oder anderen Raumelementen entstehende Bild völlig. Ebenso zieht zu späteren Zeitpunkten das Licht erneut über die Farbflächen und zeichnet sie nach – nur ein Mal im Jahr stimmt das Abbild mit ihm genau überein. Somit setzt das Wandbild eine Markierung des Verlaufs des Sonnenlichts mit malerischen Mitteln.

Für die Reihe wand’rin’ star muss die Bezeichnung „Wandarbeit“ erweitert gedacht werden, da je nach Lichteinfall auch Decke und Boden mit einbezogen werden. Die farbigen Felder können den gesamten Raum umspannen und lassen ihn zum Bildträger werden. Dadurch wird die sonst – fast immer – gegebene Distanz zwischen Bild und Betrachter aufgehoben. Unter Umständen kann er gar nicht anders, als darüber zu laufen – wie das Sonnenlicht.